Diesen Sommer habe ich nach sieben Jahren mein Dorf Elmalık in Ardeşen am Schwarzen Meer wieder besucht.

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Ardeşen ist eine Kreisstadt des Landkreises Rize. Er ist bekannt für sein Grün, seine herrliche Natur und vielleicht noch mehr für die Ayder-Hochebene.

Ich wollte dem Alltag in der Stadt und bei der Arbeit entfliehen und mich richtig erholen. Ich hoffte, inmitten der Natur und des Grüns Ruhe zu finden. Mit meinen Cousins und anderen Verwandten, die ich ewig nicht mehr gesehen hatte, wollte ich zusammensitzen und gemeinsam in Erinnerungen an alte Zeiten schwelgen. Ich wusste, dass nicht alles eitel Sonnenschein sein würde – schließlich ist Familie nun mal Familie, und das Wetter hier im Sommer ist bekannt – ein Volkslied bringt es auf den Punkt: „Wenn es regnet, dann regnet es, wenn es regnet, dann regnet es.“ Nicht zu vergessen: Die Insekten in dieser Gegend können die Geduld eines Menschen auf die Probe stellen und immer wieder für Überraschungen sorgen.

Diesen Sommer habe ich eine solche Überraschung erlebt. Ich bin auf eine neue Art gestoßen – und die hatte es in sich.

Als ich die letzten Früchte vom Grapefruitbaum pflückte, die noch vom letzten Jahr übrig waren, sprangen mir Dutzende Insekten ins Gesicht – ich wusste gar nicht, wie mir geschah. Meine Schwester stellte mir das Tier vor – ein „Vampirschmetterling“. Ja, Sie haben richtig gelesen! Auch mich hat der Name sehr überrascht. Für mich war er neu, für die Menschen in der Region hingegen bekannt. Sie haben sich vor einigen Jahren in der Gegend angesiedelt und sollen die Bevölkerung ziemlich belästigen – Abhilfe gebe es keine. Mir gingen tausend Fragen durch den Kopf: Warum nennt man ihn „Vampirschmetterling“? Woher kommt er? Warum hat er sich so stark vermehrt? Hat er außer seiner großen Anzahl noch andere Nachteile? Warum gibt es keine Lösung für das Problem? Ich ignorierte das türkische Sprichwort, das wortwörtlich übersetzt lautet: „Was auch immer einem Menschen zustößt – es kommt entweder aus Neugier oder aus Neugier.“ Das Pendant dazu im Deutschen ist wohl: „Neugier ist der Katze Tod“. Und so stürzte ich mich in die Recherche, um mehr über diese Insekten herauszufinden.

Was ist denn nun eigentlich ein Vampirschmetterling?

Selbst die Wissenschaftler taten sich schwer damit, den wissenschaftlichen Namen unseres kleinen Freundes festzulegen. Zunächst ordneten sie ihn als „Ricania simulans“ ein, dann nannten sie ihn „Ricania japonica“, und schließlich einigten sie sich auf „Orosanga japonica“1. Lassen Sie sich übrigens nicht von der Bezeichnung „Schmetterling“ täuschen – eigentlich gehört er zu den Zikaden. Deshalb wird er auch gern „Falscher Schmetterling“ genannt.

Der Vampirschmetterling gilt als invasive Art – das heißt, seine eigentliche Heimat ist nicht die Türkei, sondern Korea, China und Japan. Im Jahr 2000 breitete er sich von Russland aus in das Nachbarland Georgien und von dort über die Region am östlichen Schwarzen Meer bis in die Türkei aus. Seine natürlichen Feinde aus den Herkunftsgebieten sind nicht mit ihm gekommen.

Als ich sie im Juni zum ersten Mal aus der Ferne am Grapefruitbaum sah, erinnerten sie eher an niedliche, winzige Igel. Wie Ameisen krabbelten sie emsig und in dichten Schwärmen am Baum umher. Dabei handelt es sich um die Nymphen der Zikade, die Ende Mai aus leicht gelblichen Eiern schlüpfen. Innerhalb von zwei bis drei Wochen verwandeln sie sich in die erwachsenen Zikaden. Gegen Ende September legen die weiblichen Schmetterlinge, wie jedes Jahr, durchschnittlich 50 Eier an Bäumen und in Teegärten ab.

Die folgende Grafik veranschaulicht den Lebenszyklus des Vampirschmetterlings.

Schmetterlingsmathematik an einem Grapefruitbaum

Allein an unserem Grapefruitbaum gab es dieses Jahr etwa 4.000 Schmetterlinge. Wenn die Weibchen – etwa die Hälfte, also rund 2.000 – ihre Eier in diesem Jahr am Baum ablegen, können Sie selbst ausrechnen, wie viele neue Larven im Mai des nächsten Jahres allein an diesem Grapefruitbaum schlüpfen: Bei durchschnittlich 50 Eiern pro Weibchen wären das rund 100.000 Larven.

Da die Art in der Region keine natürlichen Feinde hat, hat sich ihre Population erheblich vermehrt, und sie ist zu einem bedeutenden Schädling geworden.

Sind sie etwa nur deshalb schädlich, weil es so viele sind?

Dass abends und nachts Hunderte in die Häuser eindringen, dass sie sich auf einen stürzen, wenn man sie stört, dass sie einem beim Teepflücken, beim Ernten von Obst und Gemüse oder beim Jäten plötzlich auf den Leib springen … Schon das allein würde sie zu einem Ärgernis machen, über das sich zu reden lohnt. Doch als wäre das nicht genug, fügen sie den Pflanzen auch noch langfristig ernsthaften Schaden zu.

Als meine Mutter, bevor sie nach Istanbul fuhr, mir mit den Worten „Meine Tochter, pass gut auf den Gemüsegarten auf“ einen Auftrag gab, konnte ich ja nicht ahnen, dass ich eine unerfüllbare Verantwortung übernommen hatte. Dabei stellte ich mir gerade zum ersten Mal vor, wie ich endlich die Hobbygärtnerin sein würde, die ich schon immer sein wollte. Als meine Mutter Anfang August aus Istanbul zurückkam, waren von den Bohnen nur noch schief gewachsene, vergilbte und verschrumpelte Reste übrig.

So funktionieren diese Biester: Nymphen wie ausgewachsene Tiere saugen mit ihren Rüsseln den Zellsaft aus den Pflanzen.

Diese Zikadenungeheuer haben sämtliche Bohnen meiner Mutter die Flüssigkeit leergesaugt wie ein Vampir. Jetzt habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie sehr sie ihren Beinamen „Vampirschmetterling“ verdienen. Auch wenn sie in diesem Fall die Schuldigen sind – meine Gärtnerkarriere hat mit diesem Sommer ihr Ende gefunden.

Unser kleiner Schmetterling begnügt sich offenbar nicht mit Bohnen allein; er ist ein Organismus, der sich von den unterschiedlichsten Pflanzen ernährt. Bei Insekten nennt man dieses Verhalten als polyphag. Wäre er ein Mensch, würden wir sagen: „Er ernährt sich ausgewogen.“ Zu den geschädigten Pflanzen in unserem Garten gehören Feigen, Erlen, Kirschlorbeeren, Birnen, Äpfel, Tee, Grapefruit, Zitronen, Tomaten, Gurken, Mandarinen und Kürbis. Leider beschränkt sich diese Liste nicht auf unseren Garten. Die Liste der geschädigten Pflanzen, die Gulnaz Ismaylova2 in ihrem wissenschaftlichen Artikel auflistet, ist viel länger:

Trabzon-Kaki (Sharonfrucht / Kaki), Feigenbaum, Apfelbaum, Birnbaum, Pfirsichbaum, Kirschpflaume / Grüne Pflaume, Wollmispel, Malta-Pflaume (Japanische Mispel / Wollmispel), Kastanie, Walnuss, Haselnuss, Kiwi, Schwarzer Holunder, Kirschlorbeer, Wilde Brombeere, Weintraube

Mandarine, Dreiblättrige Orange, Wilde Orange

Tomate, Aubergine, Paprika, Gurke, Kohl, Bohne, Mais

Akazie, Lorbeer, Lavendel, Hortensie, Efeu, Erle

Tee, Wermutkraut / Echter Wermut, Brennnessel

Der Schaden betrifft nicht nur eine einzige Saison; die Lebens- und Fortpflanzungsweise des Insekts führt zu langfristigen Verlusten: Der Befall verursacht begrenztes regionales Absterben von Gewebe, ein Absinken der Photosyntheseleistung der Pflanze, eine Zunahme der Pilzausbreitung und das Vertrocknen von Trieben.

Der Vampirschmetterling stellt für die meisten Pflanzenarten, die wir essen, eine langfristige Bedrohung dar.

Sie werden mir sicher zustimmen: Der Vampirschmetterling ist nicht einfach nur ein Insekt, das sich stark vermehrt hat. Er ist ein Schädling, der insbesondere in der Landwirtschaft und in natürlichen Ökosystemen zu einem ökologischen Ungleichgewicht und zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führt.

Unsere Gärten, unsere Teeplantagen, unseren Gemüsegarten – kurz: unsere Arbeit – können wir gemeinsam schützen. Jetzt ist es Zeit, zu handeln.

In der nächsten Folge werden wir praktische Methoden vorstellen, die sich im Kampf gegen den Vampirschmetterling als wirksam erweisen könnten.

Auch Sie können diese Methoden in Ihrem eigenen Garten, in Ihrem Gemüsegarten oder in Ihrer Teeplantage ausprobieren, mit anderen teilen und so gemeinsam dagegen stärker angehen. Denn diese Plage können wir nur gemeinsam stoppen.

Hinweis: Sie können gern Kommentare, Beobachtungen, Vorschläge und zusätzlichen Informationen zu diesem Thema im Kommentarbereich unten teilen.

Quelle

  1. Ak, K. Current status of the invasive species, Orosanga Japonica (Melichar, 1898) (Hemiptera: Ricaniidae) under natural enemy pressure in Türkiye. Egypt J Biol Pest Control 36, 12 (2026). https://doi.org/10.1186/s41938-026-00892-5 ↩︎
  2. Ismaylova, G., 2021. New record of Orosanga japonica (Melichar, 1898) (Hemiptera: Fulgomorpha: Ricaniidae) from Azerbaijan. Punjab Univ. J. Zool., 36(2): 141-145. https://dx.doi.org/10.17582/journal.pujz/2021.36.2.141.145 ↩︎

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